Meine Sehnsüchte
Gar nicht so einfach, über (meine) Sehnsüchte zu schreiben. Ich fürchte, ich habe keine. Wie kommt das?
Ich könnte mich nach Liebe sehnen, oder nach Reichtum. Die Sehnsucht nach Ruhm oder Macht könnte eine Rolle spielen. Tatsache ist, ich werde geliebt - und darf Menschen lieben, die mir viel bedeuten. Das Geld ist heute nicht mehr so wichtig (die Wünsche und Bedürfnisse die ich habe, kann ich mir erfüllen). Und die beiden letztgenannten Sehnsüchte bedeuten mir nichts. Und trotzdem ist da etwas in mir, eine Art Sehnsucht, bei der es mir schwer fällt, sie zu beschreiben.
Ich denke, diese schwer zu beschreibende Sehnsucht hat mit meinem Sättigungsgefühl zu tun. Vergleichbar mit dem Völlegefühl nach dem Essen und der Frage, worauf hast du Appetit?
Ich möchte nicht falsch verstanden werden, ich beklage mich nicht darüber, dass es mir gut geht und ich deshalb keine Sehnsüchte mehr habe. Nein, das ist alles wunderbar und ich bin mir meines Glücks bewusst. Aber wenn man mich fragt, was sind so deine Ziele im Leben und was möchtest du erreichen, oder noch konkreter, wovon träumst du und was sind deine Sehnsüchte, fällt mir nichts ein. Das finde ich schade!
Vielleicht werden Sehnsüchte überschätzt.
Es gibt ja Menschen die meinen, Sehnsüchte sind ein Antreiber für uns, fleißig, ehrgeizig und strebsam zu sein. Dadurch sind wir in unserem Tun erfolgreich und kommen so der Realisierung unserer Sehnsüchte näher. Ich glaube, da ist etwas Wahres dran. Gleichzeitig frage ich mich aber, was passiert, nachdem wir so fleißig und strebsam waren - oder genauer: was ist passiert, nachdem ICH die letzten 30 Jahre im Berufsleben fleißig und strebsam war? Habe ich meine Sehnsüchte befriedigen können? Gefühlsmäßig sage ich „nein“.
Ich habe Ziele erreicht, ich kann ein halbwegs selbstbestimmtes Leben mit meiner Familie führen und habe ein Dach überm Kopf. Und so toll das auch ist, als Sehnsüchte würde ich das nicht bezeichnen. Oder ich denke völlig falsch und ich habe mir doch Sehnsüchte erfüllt, bin mir aber dessen nicht bewusst.
Vielleicht sollte ich den Begriff Sehnsucht nicht so hoch schätzen - ich sollte ihn anders übersetzen (frei nach Goethes Faust).
Also sollte ich das Glück einfach nehmen und Danke sagen und nicht weiter darüber reden, welche Sehnsüchte ich noch realisieren möchte.
Vielleicht ist es ja schon Sehnsucht genug, all das behalten zu können, was man hat.
Nehmen, was man hat
In meinen Gedanken gab es gerade eine Wendung. Mir wurde gerade bewusst, dass in meinem Leben ja schon einige Sehnsüchte in Erfüllung gingen. Jene, die ich Eingangs erwähnt habe. Familie, Liebe und die Möglichkeit ein problemfreies Lebens führen zu können. Wahrscheinlich kann ich mich einfach nicht mehr daran erinnern, welche Sehnsüchte ich mit 20 oder 30 Jahren so hatte. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es genau diese waren.Also sollte ich das Glück einfach nehmen und Danke sagen und nicht weiter darüber reden, welche Sehnsüchte ich noch realisieren möchte.
Vielleicht ist es ja schon Sehnsucht genug, all das behalten zu können, was man hat.

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